Bustour 2008-2015

Mit ihrer 2008 im Stuttgarter Bus-Netz durchgeführten Performance "Bustour S" beweist Menja Stevenson eindrücklich, dass sich Humor und Gesellschaftskritik nicht ausschließen müssen. Die Haare diszipliniert gescheitelt, mit leicht gelangweilter Miene, ab und zu verträumt aus dem Fenster schauend, die Hände im Schoß oder auf der Lehne des Vordersitzes, hat sich die Künstlerin unauffällig in den Strom der Lemminge, Durchschnittsbürger auf dem Weg zur Arbeit, zum Shopping und zum Arbeitsamt, eingereiht. Lediglich ihr Business-Kostüm ist auffällig unauffällig, denn es ist - wie auch ihre Handtasche - aus demselben samtigen, mit geometrischen Op-Art-Elementen überzogenen farbigem Stoff gefertigt wie alle Sitze im Bus. Eine ältere Dame ist irritiert, fast amüsiert, die Mehrheit der Mitfahrer jedoch scheint Menja Stevensons Performance nicht zu registrieren. Die Ritualität des Alltags siegt. Wer den künstlerischen Eingriff jedoch bemerkt hat bzw. heute ihr Video anschaut, wird auf ein Detail seines tagtäglichen Umfelds aufmerksam gemacht, das ihm bisher nie aufgefallen ist: die künstlerische Qualität der Stuttgarter Bus-Sessel. Ganz nebenbei wird sich der Betrachter möglicherweise des eigenen - bewussten oder auch unbewussten - Camouflage-Verhaltens (Motto: nur nicht auffallen) bzw. seiner Nicht-Wahrnehmung der Umwelt bewusst.



Text: Marko Schacher